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Am 1. Juli 1863 verkaufte der Bauer Anton Stohr-Schaugg sein
1829 erbautes Anwesen mit sämtlichem Inventar, 8 Morgen Grundbesitz und
einem Weinberg für 8.500 Gulden an den Freiherrn Hans von Aufseß. Das
Anwesen lag am Kressbronner Bühl, an der Straße vom Hinterland durch die
Dörfer Hemigkofen und Nonnenbach nach dem bescheidenen Seehafen
Kressbronn. Es war kein stattliches Anwesen und doch die Urzelle dessen,
was die Kressbronner heute ihr Schlößle und ihren Schlößlepark
nennen. Von Aufseß verbesserte das Gebäude
und baute es zu einem einstöckigen Wohnhaus mit Ökonomie aus, ähnlich dem
früheren Sefelehaus. Durch weitere Ankäufe vergrößerte v. Aufseß seinen
Grundbesitz bis zum See und zum Nonnenbach. Auch das Teehaus am Strand,
heute Aussichtspavillon, stammt aus dieser Zeit. Bald war das Haus Aufseß
Mittelpunkt ländlicher Geselligkeit. Von Aufseß war Gründer und erster
Leiter des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg gewesen und entwarf in
Kressbronn mit Pfarrer Hafen aus Gattnau, Dr. Moll aus Tettnang und Lehrer
Reinwald aus Lindau die Pläne zur Gründung des Vereins für Geschichte des
Bodensees und seiner Umgebung. Einen großen Teil seiner umfangreichen
Bibliothek stiftete er der neu gegründeten Universität Straßburg. Diese
noble Geste wurde ihm übel belohnt. Bei der Gründungsfeier wurde v. Aufseß
irrtümlich Opfer einer Misshandlung und starb auf dem Heimweg in
Münsterlingen. Die Erben verkauften sofort das Anwesen an den Stuttgarter Fabrikanten Gustav Siegle um 16.000 Gulden. Nur kurze Zeit später war Georg v. Seidlitz um den Preis von 26.000 Gulden der neue Besitzer. Gustav Siegle war so nobel und spendete von seinem Gewinn 1.000 Gulden an die Armenstiftung Nonnenbach. 1875 erscheint als neuer Besitzer der Jurist Dr. Otto Bohlmann. Dieser Dr. Bohlmann führte damals einen Erbschaftsstreit der Stadt Genf gegen das Haus Braunschweig. Er gewann den Prozess durch alle Instanzen und für die Stadt Genf ein Erbe von etwa 30 Millionen Franken. Bohlmann erhielt mehrere Millionen Franken und sein Bild hängt heute noch unter den Honoratiorenbildern der Stadt am Genfer See. Dr. Bohlmann war von da an ein berühmter Rechtsanwalt für Erbsachen, reiste als solcher viel zwischen den europäischen Hauptstädten, wobei ihm der Landsitz in Kressbronn ein willkommener Ruhepunkt war. Das alte Wohnhaus wurde abgerissen und es entstand eine Villa, die einen sehr freundlichen Anblick bot und sehr kostbar und schön eingerichtet war. Die Gesamtkosten wurden auf 40.000 Gulden geschätzt. Bohlmann erwarb ein weiteres Uferstück Richtung Nonnenhorn. Er zahlte dafür 450 Gulden der Gemeinde Nonnenhorn und schenkte ihr noch eine Feuerspritze dazu. Der Privatier Leonhard Eckert aus Wasserburg wurde 1890 neuer Besitzer und bezahlte 100.000 Mark an Bohlmann, welcher sich im Alter in das unterhaltsamere Berlin zurückzog. Am 27. 2. 1896 kaufte Karl Heißler, ehemaliger Ingenieur und Überseekaufmann das gesamte Besitztum. Heißler, der im Ausland sehr reich geworden war, baute 1896 an dieser Stelle die heutige „Villa mit Turm". Äußerlich hat das Schlößle bis heute keine große Veränderung mehr erfahren, wenn man von Turm und Freitreppe absieht: Der Spitzturm wurde mit Plan vom 18. Dez. 1935 wieder gekürzt, die Eingangstreppe war damals doppelt so breit. Von der heutigen Seestraße gelangte der Besucher durch ein vierteiliges, schmiedeeisernes Tor an die von zwei Löwen flankierte Freitreppe. Im Hochparterre befanden sich Wohn- und Fremdenzimmer sowie der Saal. Küche, Weinkeller, Heizung und der Speiseraum für das Dienstpersonal und deren Zimmer lagen im Souterain. Schlafzimmer und weitere Gästezimmer waren im 2. Stock. Eine Wendeltreppe führte in das Turmzimmer. Das ganze Haus war mit kostbaren Möbeln, herrlichen Gemälden und wertvollen Teppichen ausgestattet.
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Heißler war ein großer Gartenliebhaber und sein Park sollte der
schönste am Bodensee werden und sogar die Mainau übertreffen. Griechische
und römische Stilelemente gingen in dieser schloßartigen Anlage mit dem
Park eine Verbindung ein, welche im ausgehenden 19. Jahrhundert oft
vorzufinden ist. Zwischen Marstall (der heutigen Lände) und Schlößle ließ Heißler einen ovalen Teich anlegen, geschmückt mit Putten und einer Merkurstatue, dem Wahrzeichen der Kaufleute. Zwei weitere Teiche, mit Springbrunnen versehen und Steinplastiken verziert, befanden sich unterhalb des Hanges bei der heutigen Konzertmuschel. Zwei Brunnenwerke lieferten das nötige Wasser, eines davon ist heute noch zu sehen. Diese Anlagen fügten sich harmonisch in die Gruppen seltener exotischer Parkbäume und Strauchgruppen. Am Kreßbach entlang führte ein Weg zum eigenen Bootshafen. Dort lag Heißlers Dampf Schaluppe „Adler". Was Aufseß durch Erwerb begonnen hatte und Bohlmann durch Erweiterung fortführte, wurde durch Heißler zur höchsten Vollendung gebracht. Schlößle und Park zählten damals zu den schönsten Landsitzen am Bodensee. Mitten im ersten Weltkrieg, am 19.1.1917 verkaufte Heißlers Familie den ganzen Besitz an Familie Boneck.
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Der wirtschaftliche Niedergang, Inflation und Rezession brachten die Besitzer in Zahlungsschwierigkeiten. So las man am 4. November 1927, dass das hübsch gelegene Schloßgut Boneck Wwe. an ein soziales Unternehmen verpachtet werden sollte. Verhandlungen zerschlugen sich und so wurde auf Montag, den 26. September 1932 auf dem Rathaus in Nonnenbach Versteigerungstermin anberaumt. Für die Villa allein mit ihren 14 Zimmern wurden ganze 8.000 Mark geboten. Um eine Verschleuderung zu verhindern, unterblieb der Verkauf. Zunächst wurde nur der zum Schlößle gehörende Friedrichshof verkauft, auf ihm befindet sich heute die Gärtnerei Fiegle-Müller. Am 5.1.1934 war ein weiterer Versteigerungstermin. Die Kreissparkasse als Hauptgläubigerin hatte mit 37.000 Mark das Höchstgebot gemacht, ihre Forderung aber an die Gemeinde Nonnenbach abgetreten, welche den Zuschlag erhielt. Zur Zeit des Kaufs bestand zwar die politische Gemeinde Nonnenbach noch, aber ihre Zusammenlegung mit Hemigkofen zum 1. April 1934 war bereits am 3. Dezember 1933 beschlossen worden. Die neu entstandene Gemeinde Kressbronn sollte sich ihrer Nonnenbacher Mitgift nicht lange erfreuen. Das Schlößle wurde 1935 Gauführerschule der NSDAP und ein riesiger Hoheitsadler zierte jetzt den Eingang. Am 29. April 1945 wechselte abermals der Besitzer. Die Gauschule wurde Kommandantur der Franzosen. Die neuen Herren zerschlugen das Hakenkreuz und hissten die Trikolore. Es sah böse aus im Park nach Kriegsende. Überall standen Baracken. Die Besatzungsmacht wollte ungestört sein und so verwilderten die ganzen Anlagen. Noch im August 1952 forderte der damalige Landrat die Kressbronner auf, für den Abbau der Baracken zu sorgen und dieses Gelände für einen Kurpark zu sichern, der einst den Kindern Früchte tragen möge.
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